Auf dieser Seite werden Leserbriefe von Mitgliedern unseres Ortsvereins veröffentlicht. Die darin dargelegten Standpunkte sind Einzelmeinungen der jeweiligen Autoren und spiegeln nicht unbedingt die Meinung des Ortsvereins wieder.

Veröffentlicht: 10.03.2014 unter Leserbriefe

Leserbrief zur Nominierung des “Finkenschlagens”

Die Nominierung des „Finkenschlagens“ als Kandidat für das immaterielle Weltkulturerbe durch das Kultusministerium Sachsen-Anhalts war mit Sicherheit kein guter Tag für Tierfreunde und Tierschützer. In der Berichterstattung über diese „Tradition“ vermisse ich nämlich stets den Hinweis, dass – nicht „vor Jahrhunderten“ sondern vor knapp zehn Jahren – die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen die Finker führte und zwar einstellte, aber Mindestgrößen für die Käfige und Volieren für die gefangenen Vögel verlangte. Das führte dazu, dass etliche Finker dieses “Hobby” einstellten. Festzuhalten bleibt: Selbst wenn Dompfaff, Zeisig und Buchfink als Zuchttiere in den Käfigen der sich selbst so bezeichnende Finken“freunde“ geschlüpft sind, demzufolge nie die Freiheit kennenlernen und ihren Instinkten nie werden folgen können, bleiben sie eben Wildvögel. Sie werden auch in der 20. Generation nicht zum Wellensittich. Eine sogenannte „Tradition“, die unter Beobachtung der Justiz stand oder steht, gereicht unserer Region sicher nicht zur Ehre. Schade, dass es die Finken“freunde“ nicht mal versuchen, selbst so zu singen und zu zwitschern wie die von ihnen gefangen gehaltenen Vögel. Das wäre doch mal die Gründung einer Tradition, die man guten Herzens unterstützen könnte.

Ralf Mattern, Wernigerode

Veröffentlicht: 09.03.2014 unter Leserbriefe

Leserbrief zum Bericht “Aeikens verteidigt Genmais-Sorte” vom 1. März

Während die Bundesländer Thüringen und Bayern dem “Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen” beigetreten sind, verteidigt Sachsen-Anhalts Landwirtschafts- und Umweltminister (!) Aeikens (CDU) die umstrittene Genmais-Sorte 1507. Thüringen und besonders Bayern gelten gemeinhin ja nun nicht als innovations- und technologiefeindlich. In Sachen “grüner Gentechnik” erkennen diese Bundesländer aber, dass der Anbau von Gentech-Pflanzen unverantwortbar ist. Auch der Koalitionsvertrag der Bundesregierung von CDU/CSU und SPD schreibt eindeutig: “Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der “grünen” Gentechnik an (Punkt 4.2., Unterpunkt “Landwirtschaft und ländlicher Raum”).” Das Bundesverfassungsgericht sieht durch die grüne Gentechnik einen “Eingriff in elementare Strukturen des Lebens”. Das alles ficht den sachsen-anhaltischen Landwirtschafts- und Umweltminister jedoch nicht an. Man fragt sich besorgt, wessen Interessen der christdemokratische Minister mit seiner Gentechnik-freundlichen Haltung vertritt. Mit Sicherheit NICHT die Interessen der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung (laut Umfragen über 80%), die die “grüne” Gentechnik ablehnt, NICHT die Interessen des Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutzes und NICHT die Interessen der Bauernverbände, die ebenso immer wieder Vorbehalte gegenüber der “grünen” Gentechnik äußern. Offenbar hat der Gen-Tech-Lobbyverein “Innoplanta” aus Gatersleben, in dem vorrangig gescheiterte FDP-Politiker aktiv sind und der von “Spenden” der großen Gentech-Konzerne finanziert wird, eine gute Arbeit beim Landwirtschaftsminister gemacht – denn NUR deren Ansichten sind eindeutig kompatibel mit den Aussagen des Herrn Aeikens.

Ralf Mattern, Wernigerode

Veröffentlicht: 01.03.2014 unter Leserbriefe

Leserbrief zur DDR-Diskussion

Natürlich war die DDR „gut“: Sie war „gut“ für all diejenigen, die wie damals selbst heute noch das menschlich, ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich gescheiterte DDR-System mit religiöser Inbrunst verteidigen. Die DDR war „gut“ für all die, die sich den Luxus einer eigenen Meinung nicht gönnten oder eine solche zumindest nicht öffentlich äußerten. Die DDR war „gut“ für diejenigen, die genug abgestumpft waren, um die Umweltkatastrophen und den ruinösen Zerfall der Innenstädte übersehen zu können. Die DDR war „gut“ für diejenigen, die gern über ihr vorbestimmtes Leben von staatlichen Stellen entscheiden ließen. Die DDR war „gut“ für die, die über Bück- und begehrte Tauschwaren verfügen konnten und für die, die Dienstleistungen nur noch gegen Westgeld anboten. Die DDR war „gut“ für alle die, für die ein selbstbestimmtes Leben zu anstrengend war und die deshalb lieber nur funktionierten. Die DDR war ein Staat der Angepassten, der Resignierten, der Ängstlichen, der Eingeschüchterten, der Karrieristen, der Duckmäuser, der unpolitischen Nischensucher, der Mitläufer, der Unwissenden, der Funktionäre, der Spießer, der Berufsuniformierten, der Langeweiler und Kleingeister, die über alle, die nicht so wie sie waren, herfielen und sich das Maul zerrissen. . Die DDR war also „gut“, wenn man ein Untertan war oder sich freiwillig zumindest so verhielt. Das allerdings hatte die DDR mit dem Kaiserreich und dem „Dritten Reich“ gemein, denn auch nach dem Zerfall dieser Systeme gab es mehr als genug Leute, die ihr Untertanendasein als „gar nicht so schlimm“ empfanden. An etlichen Folgen leiden wir heute noch im Osten: Die geringe Wahlbeteiligung, das Desinteresse an Politik, Fremdenfeindlichkeit, geringes gesellschaftliches Engagement, Warten auf Entscheidungen oder auf Hilfe „von oben“, fehlendes Selbstbewusstsein, Rückzug ins allein seligmachende Private und: Eine geschichtsklitternde Ostalgie, die jegliches Verständnis für die Zusammenhänge, die zum Zusammenbruch der DDR führten, missen lässt.

Ralf Mattern, Wernigerode