Leserbrief zum Artikel “Schiefe Debatte um Schiefes Haus” und zum Kommentar “”Skandal!

Gemeinhin gelten, wenn man den Medien Glauben schenken darf, die ostdeutschen „Linken“ im Vergleich zu ihren westdeutschen Parteifreunden als “realistischer”. Dies scheint mit Blick auf Wernigerode jedoch relativ zu sein: Offensichtlich bemühen sich hier einige führende Köpfe der Ortsgruppe der „Linken“ seit langem um ein möglichst schlechtes Verhältnis zum SPD-Ortsverein. Wenn man sich im Internet Veröffentlichungen von „Linken“-Vertretern ansieht muss man feststellen, dass hier der Boden der politischen Diskussion verlassen und geradezu ein Feindbild aufgebaut wird. Das reicht sogar bis zu persönlichen Verunglimpfungen und Beleidigungen von Neumitgliedern des SPD-Ortsvereins, die mit den „Linken“ bislang noch garnichts zu tun hatten. Nun sollte man annehmen, dass die im damaligen SED-Parteilehrjahr gelernte Losung, wonach die Sozialdemokratie der Hauptgegner der Kommunisten sei, längst der Vergangenheit angehört – doch für einige Wernigeröder “Linke” scheint dies noch immer Basis ihrer politischen Anschauungen zu sein. Schade ist, dass die Ortsgruppe der „Linken“ scheinbar kritiklos den inhaltslosen, ja zum Teil lächerlichen Angriffen der Herren Härtel oder Kabelitz auf den SPD-Ortsverein folgt. Anstatt selbst mal eine öffentliche politische Diskussionsrunde anzubieten (scheitert das etwa mangels Inhalten?), wird von Seiten der „Linken“ versucht, das monatliche „Wernigeröder Montagsgespräch“, das als früherer „Politischer Stammtisch“ eine Tradition bis ins Jahr 1990 hat, zu skandalisieren, weil die Veranstaltung im Museum des „Schiefen Hauses“ stattfand. Dass der SPD-Ortsverein für diese öffentlichen Veranstaltungen Miete an den Betreiber, die Kulturstiftung, bezahlte, irritiert einen Herrn Härtel und seine Anhänger in ihrer Zanksucht und ihrer Missgunst der SPD gegenüber überhaupt nicht. Traurig ist allerdings, dass die destruktive Haltung der „Linken“ sogar von einigen wenigen, aber bekannten CDU-Mitgliedern gutgeheißen wird. So haben Christian Reinboth und Stadtrat Andre Weber den „gefällt-mir“-Button bei Facebook zu den substanzlosen Angriffen des Herrn Härtel und des Herrn Kabelitz in Bezug auf die SPD-Veranstaltungen gedrückt. Eine sehr seltsame Allianz… Besonders beschämend und niederträchtig ist es zudem von den “linken”-Wortführern, der rührigen gemeinnützigen Kulturstiftung unlautere Bestrebungen zu unterstellen. Die Kulturstiftung schafft Arbeitsplätze für Behinderte, betreibt ohne öffentliche Zuschüsse ein Museum und stellt Räume für Vereine und Institutionen zur Verfügung. Dass das Museum im Schiefen Haus übrigens eine weitere Touristenattraktion mit 20.000 Besuchern im Jahr ist, scheint Leuten wie Herrn Härtel eher ein Dorn im Auge zu sein, als Anlass zur Freude zu geben. Den sich stets so sozial gebenden “Linken” ist offenbar eher daran gelegen, sozial engagierten Wernigerödern, wie dem Vorsitzenden der Kulturstiftung, Rainer Schulze, Knüppel zwischen die Beine zu werfen, weil er als Stadtratsfraktionsvorsitzender der SPD für die “Linken” ein willkommenes “Feindbild” darstellt. Dabei hat sich ein Rainer Schulze schon zu DDR-Zeiten mit etlichen weiteren Wernigerödern für eine liebens- und lebenswerte Stadt mit konkreten Projekten eingesetzt, als die politischen Ahnen des Herrn Härtel in der SED noch nach dem Motto verfuhren: “Ruinen schaffen ohne Waffen”.

Ralf Mattern, Wernigerode

4 Antworten

  • Warum auch sollte es mir nicht gefallen, wenn die Damen und Herren der politischen Konkurrenz sich nur wenige Wochen vor einer entscheidenden Wahl gegenseitig im Internet beschimpfen. Trotzdem ist es natürlich gut zu wissen, dass die Facebook-Klicks der Wernigeröder CDU-Mitglieder von aufmerksamen Sozialdemokraten genau beobachtet und protokolliert werden. Dem hier beschworenen Widerstands-Pathos gegen das Unrechtsregime der DDR wird man mit solchen Aktionen aus naheliegenden historischen Gründen allerdings kaum gerecht…

  • Oooch, Herr Reinboth, fühlt sich da etwa jemand ertappt? Vielleicht ist das Internet für Sie ja auch – wie für Ihre Kanzlerin – (Zitat): “Neuland”. Da bedarf es für den interessierten Leser völlig unpathetisch nämlich keiner großen Beobachtungsgabe, wenn Sie mit dem “Gefällt Mir”-Button ÖFFENTLICH den Schulterschluss mit den in Ihrer Partei doch stets so verschrieenen “Roten Socken” (Zitat Hintze) zelebrieren.

  • Als Informatiker ist das Internet für mich weder Neuland, noch fühle ich mich ausgerechnet von Ihnen bei irgend etwas ertappt. Ich stelle nur mit einiger Belustigung fest, dass die SPD im Wahlkampfjahr nichts besseres zu tun hat, als Facebook-Klicks von Mitgliedern anderer Parteien zu protokollieren und öffentlich auszuwerten. Wenn Ihnen übrigens die “roten Socken” so ein Dorn im Auge sind, sollten Sie eventuell einen Parteiwechsel erwägen – schließlich ist es ja die SPD, die auf Länderebene schon mehrfach mit der Linken koaliert hat, oder sich von dieser tolerieren ließ – auch hier in Sachsen-Anhalt…

  • Aber, aber, lieber Herr Reinboth: Als studierter Informatiker sollten Sie doch wohl eigentlich befähigt sein, präzise zu argumentieren. Ich bin nicht DIE SPD. In diesem Sinne ist es (ganz ohne ein Protokoll anzufertigen) eben auch nur MIR aufgefallen, dass Ihnen die Politik der Linken gefällt – wenn auch bloß aus ganz unchristlicher, aber umso menschlicherer Schadenfreude. Najaaaa, und ob die Rot-Roten Landesregierungen nun wirklich so viel schlechter waren oder sind, als die sicher auch Sie beschämende Schwarz-Gelbe Bundesregierung (Schwarz-Gelbe Landesregierungen sind ja schon ein Auslaufmodell), bleibt weitergehenden Betrachtungen vorbehalten unser beider Geheimnis…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.